Ratgeber · Kanzleien

KI in der Anwaltskanzlei: Einsatzfelder, Verschwiegenheit und Datenschutz

Anwaltskanzleien dürfen KI-Dienste nutzen, wenn sie den Anbieter sorgfältig auswählen, ihn vertraglich in Textform zur Verschwiegenheit verpflichten und ihm nur die Informationen geben, die für die Leistung nötig sind, so verlangt es § 43e BRAO. Sinnvolle Einsatzfelder sind Mandatsannahme, Fristen- und Posteingangsvorbereitung, Recherche und Entwürfe, die stets anwaltlich geprüft werden. Dieser Ratgeber von Hey2Ai fasst die rechtlichen Leitplanken und einen praxistauglichen Einstieg zusammen.

Zuletzt aktualisiert: · Hey2Ai, München

Rechtsrahmen

Welche Vorschriften für KI in der Kanzlei gelten

Für KI-Dienste mit Mandatsbezug greifen Berufsrecht, Strafrecht, Datenschutz und KI-Verordnung nebeneinander.

Quellen: BRAO, StGB, Verordnung (EU) 2016/679, Verordnung (EU) 2024/1689. Keine Rechtsberatung.
VorschriftInhaltBedeutung für KI-Dienste
§ 43a Abs. 2 BRAOVerschwiegenheitspflicht des RechtsanwaltsGilt auch, wenn Daten in ein KI-Werkzeug eingegeben werden
§ 43e BRAOInanspruchnahme von DienstleistungenSorgfältige Auswahl, Vertrag in Textform, Belehrung über strafrechtliche Folgen, Zugriff nur soweit erforderlich
§ 203 StGBVerletzung von PrivatgeheimnissenOffenbaren an mitwirkende Personen nur, soweit für deren Tätigkeit erforderlich
Art. 28 DSGVOAuftragsverarbeitungVertrag, Verarbeitung nur auf dokumentierte Weisung, hinreichende Garantien
Art. 4 und 50 KI-VerordnungKI-Kompetenz und TransparenzMaßnahmen zur KI-Kompetenz seit 2. Februar 2025, Kennzeichnung von Chatbots seit 2. August 2026
Einsatzfelder

Wo KI in Kanzleien heute sinnvoll entlastet

KI eignet sich in Kanzleien vor allem für vorbereitende Arbeit, die anschließend anwaltlich geprüft wird.

Mandatsannahme und Erstanfragen

Ein KI-Agent nimmt Anfragen über Website, E-Mail oder Telefon entgegen, erfasst Sachverhalt, Gegner und Fristen strukturiert und bereitet die Kollisionsprüfung vor. Eine Rechtsberatung gibt der Agent nicht.

Posteingang und Fristen

Eingehende Schreiben werden der richtigen Akte zugeordnet, zusammengefasst und mit möglichen Fristen markiert. Die Fristnotierung selbst prüft und verantwortet die Kanzlei.

Recherche und Entwürfe

KI fasst Akten zusammen, erstellt Gliederungen und erste Entwürfe für Standardschreiben. Jede Fundstelle und jede Aussage muss anwaltlich kontrolliert werden, weil Sprachmodelle Quellen erfinden können.

Interner Wissenszugriff

Eine eigene KI-Plattform beantwortet Fragen zu Mustern, Kanzleirichtlinien und eigenen Vorlagen, ohne dass Mandatsdaten die geschützte Umgebung verlassen.

Praxis

So wählst du einen KI-Dienst für die Kanzlei aus

Entscheidend ist, dass der Anbieter die Anforderungen aus § 43e BRAO und Art. 28 DSGVO vertraglich erfüllt. Prüfe vor dem Einsatz mindestens diese Punkte:

  1. Vertrag in Textform mit Verpflichtung zur Verschwiegenheit und Belehrung über die strafrechtlichen Folgen.
  2. Ort der Verarbeitung. Bei Dienstleistung im Ausland muss der Geheimnisschutz dem in Deutschland vergleichbar sein.
  3. Kein Training fremder Modelle mit deinen Eingaben und klare Löschfristen.
  4. Unterauftragnehmer offengelegt und ebenfalls zur Verschwiegenheit verpflichtet.
  5. Mandatsbezogene Dienste: Ist eine Leistung unmittelbar einem einzelnen Mandat zugeordnet, verlangt § 43e Abs. 5 BRAO die Einwilligung des Mandanten.

Hey2Ai unterstützt Kanzleien dabei, solche Abläufe aufzusetzen: mit Verarbeitung in der EU, Hosting in Deutschland, ohne Training auf Kundendaten und mit menschlicher Freigabe in jedem Agenten. Hintergründe zu den Pflichten aus der KI-Verordnung findest du auf der Seite zum EU AI Act, zur technischen Umsetzung unter KI-Agenten.

FAQ

Häufige Fragen zu KI in der Kanzlei

Im Termin klären30 Minuten, kostenlos

Darf ich als Anwalt ChatGPT für Mandantendaten nutzen?
Nur, wenn der Dienst die Anforderungen aus § 43e BRAO und Art. 28 DSGVO erfüllt. Dazu gehören ein Vertrag in Textform mit Verschwiegenheitsverpflichtung und ein Vertrag zur Auftragsverarbeitung. Ein privates Konto eines Chat-Werkzeugs erfüllt diese Voraussetzungen in der Regel nicht.
Mache ich mich strafbar, wenn ich Akten in eine KI hochlade?
Das Risiko besteht, wenn Mandatsgeheimnisse unbefugt offenbart werden, denn § 203 StGB stellt das unter Strafe. Erlaubt ist die Weitergabe an mitwirkende Dienstleister nur, soweit sie für deren Tätigkeit erforderlich ist und die berufsrechtlichen Vorgaben eingehalten werden.
Brauche ich die Einwilligung meiner Mandanten für KI?
Nicht für jeden Dienst. Nach § 43e Abs. 5 BRAO ist die Einwilligung nötig, wenn die Dienstleistung unmittelbar einem einzelnen Mandat dient. Für allgemeine Kanzleidienste genügen Auswahl, Vertrag und Verschwiegenheitsverpflichtung.
Darf ich einen KI-Dienst mit Servern außerhalb der EU nutzen?
Nur eingeschränkt. § 43e Abs. 4 BRAO erlaubt Dienstleistungen im Ausland nur, wenn dort ein vergleichbarer Geheimnisschutz besteht. Hinzu kommen die Regeln der DSGVO für Übermittlungen in Drittländer, deshalb ist eine Verarbeitung in der EU der einfachere Weg.
Kann KI Schriftsätze für mich schreiben?
KI kann Entwürfe und Gliederungen liefern, die Verantwortung für den Inhalt bleibt bei dir. Prüfe jede Fundstelle, denn Sprachmodelle können Urteile und Zitate erfinden.
Muss ich meine Mitarbeitenden im Umgang mit KI schulen?
Art. 4 der KI-Verordnung verlangt seit 2. Februar 2025 Maßnahmen zur KI-Kompetenz des Personals. Praktisch bedeutet das eine Einweisung und schriftliche Regeln, welche Werkzeuge mit welchen Daten genutzt werden dürfen.
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